14. Juni, C3 & BC

Vollständige Skibefahrung der Schlüsselstellen der Kammerlander- Route
Vor Sonnenaufgang machen wir uns an die Erkundung Richtung Lager 4. Die an den Felsen angebrachten alten Fixseile sind tief verschneit und können nur äußerst mühsam freigelegt werden. Nach wenigen hundert Metern geben wir die Sysiphos-Arbeit entnervt auf. Eine tiefer angesetzte Querung stößt auf weniger tiefen Schnee. Wir spuren einige hundert Meter weit in Richtung auf den kombinierten Felsgrat zu, der das Firnbecken von der Bazhin- Mulde, in der Camp 4 auf ca. 7300 m gelegen ist, trennt. Um im Abstieg nicht zu spät in die Eisrinne zu gelangen, müssen wir letztlich abbrechen und zum Lager zurückkehren. Bis spätestens 10.00 Uhr machen sich alle an den Abstieg über die Fixseile zu Camp 2 und weiter über Kinshofer-Wand und Löw- Eisrinne zu Camp 1. Luis, der seine nagelneuen Dynafit-Protoypen-Ski mit bis auf Lager 3 hinauf getragen hat, wartet noch bis 11.00 Uhr ab, um dann über die Kammerlander-Route eine Skiabfahrt zu versuchen. Bereits nach wenigen hundert Metern stellt sich die Befürchtung als wahr heraus: Die Bedingungen sind grenzwertig, immer wieder durchziehen Blankeisstreifen die fünfzig Grad steile Flanke. Nach der Einfahrt ins Couloir, das sich orografisch rechts von Lager 2 befindet, steilt sich das Gelände immer weiter auf. Bei der Umfahrung der ersten Bruchzone erreichen Passagen 60 Grad Steilheit. Noch schwieriger gestalten sich aber auch hier Blankeisstellen, die immer wieder, neben guter Kantenarbeit, den Einsatz des Eispickels beim Hinuntertreppeln erfordern. Dann ist der große Serac erreicht, der senkrecht über hundert Meter abbrechend, die weitere Steilrinne verschließt. Die Orientierung gestaltet sich als schwierig, da der steile Hängegletscher stark von Spalten durchfurcht und von Klüften zerrissen ist. Unter gewaltigen Eistürmen querend, kann Luis schließlich einen Firnkessel erreichen, der nach ca. 100 Meter Gegenaufstieg im Treppenschritt zu einer kleinen Scharte führt. Diese führt unschwierig hinüber ins Löw-Couloir. Mehrfach müssen wiederum Blankeisstreifen mit dem Eispickel gequert werden, bis die steile Schussfahrt im makellose Firn des Couloirs bei Lager 1 ihr Ende findet. Damit sind die Schlüsselstellen der Kammerlander-Skiroute vollständig, ohne Abklettern oder Abseilen, mit Skiern befahren. Ein gelungener Warm-up, der auf mehr hoffen lässt. Fehlt nur der Schnee, der immer mehr zur Mangelware wird. Doch neuen zu beschwören, kann am Nanga Parbat ein gefährliches Spiel sein...