8. Juli, Mazeno Peak Zweitbesteigung
Noch immer ist das Wetter durchwachsen, erst nachmittags reißt es langsam Lücken in die dichten Wolken, es wird wärmer und vor allem die Psyche bekommt Abwechslung dadurch, dass man sieht, was man tut. Der Gipfel direkt über unserem Lager entpuppt sich mit 7060 m als zu niedrig für den erwarteten Mazeno Peak. Auch die folgenden beiden weiteren Kuppen kommen mit 7068 m und 7090 m nicht in Frage. Der Versuch, einen gewaltigen Serac-Bauch südseitig zu umgehen, scheitert kläglich im hüfthohen Gries-Schnee. Keinen Meter kommen wir wühlend die sechzig Grad steile Flanke höher und müssen resigniert am Grat den Eisnollen überwinden. Immer wieder spuren wir durch knietiefen Schnee, häufig zusätzlich durch eine Harschkruste behindert, bis wir endlich die höchste Erhebung des Gratverlaufs erklommen haben. Eine gigantische Schaumrolle ziert den König des Kammes, den Mazeno Peak, 7145 Meter hoch. Kaum zu glauben, dass wir erst die zweiten Menschen sind, die auf dem Gipfel dieses formschönen Berges stehen. Auch das Wetter gönnt uns gnädigerweise einige Momente des Genusses und lässt einige wärmende Sonnenstrahlen zu uns die Wolken durchdringen. Noch etwas klettern wir weiter, bis wir in einem weiten Schneesattel, 7040 m, erschöpft unser Nachtlager errichten.