15. Juli, Aufstieg Kinshofer-Route

Um 4.30 Uhr bricht Luis im Basislager auf, durch regennasse Wiesen – doch der Himmel ist klar und die Luft frisch und kalt. Schon auf dem Gletscher ist das Geröll zusammengefroren und verspricht für den weiteren Weg gute Bedingungen. Camp 1, 4900 m, ist nach 1,5 Stunden erreicht und tatsächlich ist der Firn in der danach beginnenden Löw- Eisrinne schön durchgefroren. Der Aufstieg verläuft zügig, nur die eingefrorenen Fixseile müssen immer wieder gelöst werden. Zum Teil erfordert dies mühsames Herauspickeln aus dem Wassereis. Auch die mittlerweile komplett apere Kinshofer-Wand ist gut zu klettern, so dass Camp 2 nach weiteren 4,5 Stunden Aufstieg am späten Vormittag erreicht ist. Nun folgt eine Zwangspause bis in den Nachmittag hinein, um den restlichen Anstieg ohne weitere Verzögerungen durchführen zu können. Aber auch zur Regeneration kommt die Pause nicht ungelegen. Um 18.00 Uhr bricht Luis wieder auf und steigt bei aufziehender Abendstimmung die Eishänge zu Camp 3, 6800 m, hinauf. Dort befinden sich die 7 Mitglieder der iranischen Expedition, die sich auf ihren Gipfelgang am 17.7. vorbereiten. Bereits um 21.30 Uhr, nach 3,5 Stunden Aufstieg, läuft Luis im Lager ein und wird von den iranischen Bergsteigern mit Tee und Schokolade begrüßt. Nach einer Pause, in der wärmere Socken, Overboots und Daunenbekleidung angezogen werden, wird der Anstieg fortgesetzt. Nun heißt es selbst Spuren, da seit mehr als zwei Wochen niemand mehr über Lager 3 aufgestiegen ist. Die Fixseile sind tief verschneit, so dass Luis erst im letzten Drittel der Querung Gebrauch davon machen kann. Der tiefe Bruchharsch erfordert alleine extreme Anstrengungen beim Spuren, die normalerweise in 4 Stunden machbare Etappe zu Camp 4, 7070 m, zieht sich auf über 5 Stunden hin. Dazu bläst ein schneidend kalter Wind. Luis´ Zehen sind seit Stunden taub, dauernd muss er sie bewegen, um nicht komplett das Gefühl zu verlieren. Zu Beginn der Bazhin-Mulde gräbt er eine Mulde in den Schnee, um für eine kurze Pause Windschutz zu haben, etwas essen, trinken und nach seinen Füßen sehen zu können. Als die Sonne aufgeht, steigen die Temperaturen an und auch der Wind wird etwas besser. Bis die wärmenden Strahlen aber die schattige Nordwestseite erreicht haben, werden noch weitere Stunden vergehen müssen. Zu dieser Zeit ist Luis bereits im Gipfeltrapez unterwegs...