Erste Skiabfahrt durch die zentrale Diamirflanke am Nanga Parbat 
16. Juli, Skiabfahrt über die neue Skiroute


Auch der Aufstieg durch die Gipfelflanke ist weiter kraftraubend, 30 cm Schneeauflage mit einem Harschdeckel darauf, lassen Steigeisen durchbrechen, Ski – auch mit Harscheisen versehen – abrutschen. Nach dem vorhergehenden Anstieg über 3500 Höhenmeter kostet Luis die Spurarbeit alleine die letzten Kraftreserven. Immer wieder muss er verweilen, um Kraft zu schöpfen. Den Gipfel bereits in greifbarer Nähe, muss Luis schließlich gegen Mittag eine schwere Entscheidung treffen: Setzt er den Aufstieg zum Gipfel fort, ist es für eine Skiabfahrt zu spät und zu gefährlich. Tritt er die Skiabfahrt noch zur richtigen Zeit an, kann er den Gipfel – vielleicht 300 Meter entfernt – nicht mehr erreichen. Luis entscheidet sich für letzteres. Das Ziel des erneuten Aufstiegs war die Skiabfahrt, nicht die Schnellbesteigung des Gipfels, den er zudem gute zwei Wochen zuvor erfolgreich erreicht hatte. So schnallt er an seinem Highpoint, nach 3500 Metern Aufstieg und 21 Stunden Gehzeit vom Basislager, seine Ski an und begibt sich auf die Sturzfahrt die Diamirflanke hinab. Joe, im Basislager mit Fernglas und Funkgerät bewaffnet, unterstützt ihn so gut es geht bei der Wegfindung durch das komplexe Gletscherlabyrinth. Nach der Abfahrt durch die Gipfelrinne und über das erste Schneefeld hinweg, muss im Abfahrtssinne nach links durch Bruchzonen gequert werden, um das nächste Gletscherbecken zu erreichen. Schlüsselstelle dabei ist die Überwindung eines kleinen Felsgrates und der damit verbundenen Steilstufe. Nachdem Luis eine Schwachstelle im Gratverlauf entdeckt hat, kann er eine ca. 50 Grad steile Schneerinne auf der anderen Seite abfahren und steht im nächsten Gletscherbecken. Über wunderbare Firnhänge fährt er dieses ab, bis er auf einer Terrasse durch die nächste Bruchzone weiter nach links queren kann. Weite Hänge führen hinab zur „Wendeltreppe“, einer schmalen, mehrere hundert Meter hohen Serac-Kaskade, der zweiten großen Schlüsselstelle der Route. Mehrere kurze Steilstellen über 50 Grad Steilheit lauern hier im Eis. Dank der präzisen Einweisung über Funkgerät kann Luis aber die größten Hürden schnell umfahren, die kleineren sind schnell geknackt. Alsbald ist er auf dem großen Gletscherplateau unterhalb des großen Felsabbruchs angekommen und durchfährt dieses und die folgenden Gletscherbecken problemlos in Richtung auf den untersten Eisbruch. Hier durchkreuzen nochmals zahlreiche Spalten und Abbrüche die Abfahrtslinie, immer wieder muss ausgewichen, umfahren oder über Spalten gesprungen werden. Dann, nach knapp 2 Stunden Abfahrt, ist endlich das Gletscherende erreicht, der Weg zwischen Basislager und Camp 1 nur wenige Meter entfernt. Die Ski auf den Rucksack geschnallt, ist der Weiterweg talwärts schnell angetreten, eine Stunde später ist Luis nach insgesamt 24,5 Stunden Geh- und Abfahrtszeit im Basislager angekommen. Damit hat der Nanga Parbat eine spektakuläre Abfahrtslinie hinzugewonnen und Luis mit Sicherheit eine der schnellsten Begehungszeiten des Berges erreicht – wenn auch dieses Mal, knapp, ohne Gipfel.