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Nanga Parbat 8125 m, Pakistan, Himalaya

Der Nanga Parbat, der neunthöchste Berg unserer Erde, befindet sich in Pakistans „Northern Areas", unweit der Landesgrenzen zu Afghanistan im Westen und China im Norden. Alleinstehend thront er nahezu siebentausend Meter über dem Industal und bildet die westlichste Bastion des Himalaya-Gebirges. Der Name Nanga Parbat stammt ursprünglich aus dem Sanskrit - "Nanga Parvata" bedeutet "der nackte Berg". Aber auch die Bezeichnung „Diamir"- "König der Berge"- findet sich für den Berg wider. Das weitverzweigte Massiv des Nanga Parbat besteht aus einem nahezu 25 Kilometer langen Kammverlauf, das zahlreiche eigenständige sechs- und siebentausend Meter hohe Gipfel aufweist.
Kulminationspunkte des Massivs sind, neben dem 8125 Meter hohen Hauptgipfel, die 8070 Meter hohe Nordschulter, der 7816 Meter hohe Nördliche und 8042 Meter hohe Südliche Vorgipfel, der Rakhiot Peak (7070 m), der Silberzacken (7597 m, a. East Peak), im weiteren Kammverlauf im Nordosten die Chongra Peaks (6280 m – 6830 m), im Südwesten die Mazeno Peaks (6825 m – 7100 m). Die markantesten Abstürze des Massivs bilden die Rakhiot-Flanke im Nordosten, die Rupal-Wand im Süden und die Diamir-Flanke im Westen. Schon sehr früh begannen sich Forscher und Geographen für den weithin sichtbaren, massigen und hohen Berg zu interessieren. 1895 unternahm der britische Bergsteiger A.F. Mummery den ersten bekannten Versuch, den Berg zu besteigen. In der Diamirflanke erreichte er eine Höhe von über 6100 Metern, verschwand dann bei dem Versuch, ins Rakhiot-Tal zu wechseln, aber spurlos. Die später nach ihm benannte „Mummery-Rippe" in der Diamirflanke erinnert noch 3 heute an die bekannte Bergsteigerpersönlichkeit. Nach einigen ruhigen Jahrzehnten entdeckten dann die Deutschen den Berg für sich. 1932 brach eine deutsch-amerikanische Expedition unter Leitung W. Merkls zum Berg auf und versuchte die Erstbesteigung über die Rakhiotseite. Zwar gelang ihnen die Besteigung des Rakhiot Peaks, 7070 m, doch der Hauptgipfel blieb ihnen versagt. Ausrüstung und Erfahrung genügten nicht den extremen Anforderungen, die der Berg an sie stellte. Doch Merkl gab den Plan nicht auf. Bereits zwei Jahre später reiste er erneut an und stieß über die zuvor erkundete Route bis über den Silbersattel vor, die Expeditionsmitglieder P. Aschenbrenner und E. Schneider erreichten eine Höhe von ca. 7800 m. Während der Zeit am Berg erstellten deutsche Geografen eine topografische Karte, die nach wie vor im Gebrauch ist. Diese Expedition war es auch, die den Ruf des Berges als „Schicksalsberg der Deutschen" begründete, der dann während der Zeit des Dritten Reiches zum Schlagwort werden sollte. A. Drexel, W. Welzenbach, W. Merkl, U. Wieland und sechs Sherpas sterben am Berg. Drei Jahre später, 1937, kam es auf einer deutschen Expedition unter Leitung von K. Wien zu einer noch größeren Katastrophe. Alle 7 Expeditionsmitglieder und 9 Träger wurden in Lager IV von einer Eislawine verschüttet und kamen ums Leben. Noch im selben Jahr machte sich eine Bergungsexpedition unter P. Bauer auf den Weg, um nach den verschollenen Gefährten zu suchen. 1939 versuchte nach den vielen tragischen Unglücken auf der Rakhiotseite eine deutsch-österreichische Expedition eine Aufstiegsroute durch die Diamirflanke zu finden, scheiterte aber. Nach Aufgabe der Bemühungen wurde die Mannschaft im damaligen Indien als Kriegsgegner interniert. Zwei heute berühmten Expeditionsmitgliedern, H. Harrer und P. Aufschnaiter, gelang die Flucht nach Tibet, wo sie sich in Folge sieben Jahre lang im Asyl aufhielten. 1953 endlich gelang Hermann Buhl die Erstbesteigung des Himalaya-Giganten. Auf der deutsch-österreichischen Willy-Merkl-Gedächtnisexpedition bestieg Buhl als einziger des dreiköpfigen Gipfelteams - H. Ertl, W. Frauenberger, H. Buhl - im Alleingang den Hauptgipfel und kehrte von der über 1300 Höhenmeter betragenden Etappe nach einer mehr als zwei Tage anhaltenden Odyssee erfolgreich aber angeschlagen zurück. Dies obwohl der Expeditionsleiter K.M. Herrligkoffer und der bergsteigerische Leiter P. Aschenbrenner kurz zuvor den Rückzug befohlen hatten. Einige Jahre später, 1962, befand sich Herrligkoffer bereits wieder am Berg. Auch ihn ließ der Nanga Parbat nicht los. Über die Diamir-Flanke richtete die Expeditionsmannschaft eine steile und kühne Route ein, die T. Kinshofer, A. Mannhardt und S. Löw erfolgreich zum Gipfel führen sollte. Letzterer stürzte beim Abstieg in den Tod. Zu dessen Ehren wurde 1970 die Siegi-Löw-Gedächtnisexpedition durchgeführt. Dabei erreichten F. Kuen, P. Scholz und die beiden jungen Messner Brüder, Reinhold und Günther, zum ersten Mal über die Rupal-Flanke den Gipfel. Letztere sorgten mit ihrem Abstieg über die Diamirseite für die erste Überschreitung eines Achttausenders. Dies jedoch zu einem hohen Preis: G. Messner stürzt vom Bruder unbemerkt in den Tod und wird erst viele Jahre später anhand von Fundstücken (Schuh, Knochen) identifiziert. In den Siebziger- und Achtziger-Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde der Gipfel noch von mehr als einem weiteren Dutzend Expeditionen versucht. Die vielleicht bemerkenswertesten Besteigungen in dieser Zeit unternahmen 1978 R. Messner- die erste Alleinbesteigung des Nanga Parbat und eines Achttausenders überhaupt und W. Rutkiewicz 1985 mit vier polnischen Kameradinnen, die erste reine Frauenexpedition auf dem Gipfel eines Achttausenders. H. Kammerlander und D. Wellig befuhren 1990 den Berg als erste mit Ski, mussten aber über Passagen absteigen und -klettern, da sie die (in weiten Bereichen kombinierte) Kinshofer-Route durch die Diamir-Flanke für ihr Vorhaben gewählt hatten. Die letzten Schlagzeilen schrieb der Berg im Jahre 2005, als die amerikanischen Extrembergsteiger Steve House und Vince Anderson eine neue Linie am Zentralpfeiler der Südostwand (Rupal-Flanke) erfolgreich durchstiegen und der slowenische Extrembergsteiger Tomaz Humar von einem Helikopter der pakistanischen Armee nach einem erfolglosen Solo-Begehungs-versuch einer neuen Linie in der Rupal-Flanke gerettet wurde bzw. 2007, als eine polnische Expedition die erste Winterbegehung am Nanga Parbat über die historische Schell-Route, ebenfalls in der Rupalflanke, erfolglos versuchte. Die Kinshofer-Route gewann bereits im Laufe der Achtziger-Jahre den Ruf des „Normalanstiegs" am Berg. Dies umso mehr im einundzwanzigsten Jahrhundert, als immer mehr organisierte Expeditionen über diese Linie erfolgreich waren. Nach wie vor bleibt der Nanga Parbat aber ein eher selten besuchtes- und auch in Achttausender-Maßstäben betrachtet- selten erreichtes Ziel, das ein wesentlich höheres Risikopotential in sich birgt, als übliche „Normalwege" auf andere Achttausender der Welt.
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