Die Route – Nanga Parbat, 8125 m, Kinshofer-Route

Vom Basislager, 4250 m, steigt man zunächst der Seitenmoräne des Diamir-Gletschers folgend höher, bis sich dieser mit dem Diama-Gletscher an einer Flachstelle vereinigt. Ab hier wird der Diamir-Gletscher zur Wand hin erstiegen, dann nordwärts gequert. Unter der markanten Mummery-Rippe hindurch erreicht man links des Pfeilers, am Beginn der Löw-Eisrinne, einen Platz für Lager 1, ca. 4900 m, der sich am Rand des Couoirs an die Felswand schmiegt. Der weitere Aufstieg führt durch die Löw-Eisrinne hindurch, die sich zunehmend aufsteilt (bis 60 Grad) und mit einigen Felsinseln (ca. 5700 m) durchsetzt ist. Dann ist die nahezu senkrechte Schlüsselstelle, die „Kinshofer-Wand" auf 5900 Metern Höhe erreicht. Gut Hundert Meter hoch und sehr steil, muss die Felswand überklettert werden. Alte stählerne Rollleitern und Fixseile erleichtern die in freier Kletterei bei IV+ bis V (nach UIAA) liegenden Schwierigkeiten.

Nach Überwindung der Felswand legt sich das Gelände merklich zurück und bald darauf ist Lager 2, 6000 m, erreicht. Einer Rippe durch kombiniertes Gelände folgend, geht es weiter in Richtung Pfeilerkopf. Das Gelände legt sich nun immer mehr zurück und wird zunehmend schneebedeckt. Nahe des tief im Schnee vergrabenen Pfeilerkopfes wird Lager 3, 6700 m, aufgebaut. Hier setzt die ansteigende Querung (bis zu 45 Grad steil) zur Bazhin-Mulde hinauf an. An deren eigentlichem Beginn wird das vierte Hochlager, ca. 7300 m, in flachem Gelände errichtet. Auf einer direkteren Linienführung als bei der historischen Kinshofer-Route wird die Gipfelwand über eine von links nach rechts ansteigenden Schneerinne angegangen. Diese beginnt bei den am tiefsten hinabreichenden Felsen im linken Bereich der Wand, erreicht eine Steilheit von 30 bis 40 Grad und langt direkt am Gipfel an. Bei wenig Schnee geht der obere Bereich der Rinne allmählich in eine schrofendurchsetzte Flanke über. Die steilsten und exponiertesten Bereiche der Route müssen vor dem Gipfelgang mit Fixseilen versehen werden. In der Gipfelflanke ist die Anbringung von Fixseilen aufgrund des Geländes und der hohen Kraftanstrengungen kaum möglich. Die Kinshofer-Route auf den Nanga Parbat zählt ohne Frage zu den anspruchsvollsten häufiger begangenen Unternehmungen an einem Achttausendergipfel. Die Route folgt zwar meist der Linie der geringsten Gefährdung durch Lawinen, Eis- oder Steinschlag. Auszuschließen sind diese Risikofaktoren- schon allein durch die Anwesenheit des Faktors Mensch- jedoch nie. Besonders durch Neuschneefälle, im Tagesverlauf zunehmende Sonneneinstrahlung oder beim Passieren besonderer Gefahrenstellen (z.B. Löw-Eisrinne) kann ein erhöhtes Risiko auftreten. So sollte stets mit einer guten Portion Vorsicht agiert werden, Planung und Taktik von Defensivität und Vernunft geprägt sein.